Juli 2014

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Robert Schumann - Faust-Ouvertüre

„Es ist ganz unmöglich“, war Goethe überzeugt. Sämtliche Versuche, sein großes Epos angemessen zu vertonen, also allesamt aussichtslose Unterfangen? Nichtsdestotrotz versuchten sich viele namhafte Komponisten an einer Vertonung, neben Felix Mendelssohn-Bartholdy und Richard Wagner auch Robert Schumann (1810–1856). Er schuf ein Schlüsselwerk der Romantik, das im Wesentlichen auf dem zweiten Teil von Goethes Drama basiert. 1844 als Oper geplant, vollendete Schumann das Werk 1853 schließlich als weltliches Oratorium. Erst fünf Jahre nach dem Tod des Komponisten fand in Köln die Uraufführung statt. Danach führte es lange ein Schattendasein, auch bedingt durch die aufwändige Besetzung, und ist auch heute sicher nicht das bekannteste Werk Schumanns.

Die Komposition verlief unter schwierigen Bedingungen: neben dem Rückschlag, nicht Nachfolger von Mendelssohn-Bartholdy am Leipziger Gewandhaus zu werden, litt Schumann unter mehreren Krankheiten. Auch andere Kompositionen während dieser Zeit brachten nicht die gewünschte Resonanz. Schließlich folgte 1850 Schumann dem Ruf aus Düsseldorf und übernahm den Posten des Städtischen Musikdirektors. Doch auch hier kam er nicht zum erhofften Erfolg, er überlegte schon früh, das Amt niederzulegen. Diese Widrigkeiten werden häufig als Ursache dafür benannt, weswegen von dem sonst so typisch poetischen Geist Schumanns, ausgezeichnet vor allem durch seine Klaviermusik, in seiner „Faust“-Vertonung nicht viel zu hören ist. Dennoch fanden sich viele Fürsprecher, wie Benjamin Britten und Claudio Abbado, die sich für die Aufführung dieses Werkes eingesetzt haben.

Doch um es nun mit Goethes Worten aus „Faust“ zu sagen:

„Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn.“

Benedikt Eggemeier & Tobias Bätge
Richard Strauss - Vier letzte Lieder

Einen Monat nach seinem 150. Geburtstag bringt die Akademische Orchestervereinigung eines der Spätwerke des deutschen Komponisten Richard Strauss zur Aufführung, wohl unbestritten einer der bedeutendsten Komponisten des späten 19. beziehungsweise frühen 20. Jahrhunderts. Am 11. Juni 1864 als Sohn eines renommierten Hornisten und einer Abkömmin der reichen Münchner Brauerfamilie Pschorr geboren, wuchs der junge Strauss geradezu in eine akademische und durch die Musik geprägte Welt hinein. Seine Karriere umfasste im Folgenden Stationen wie das Hoftheater Weimar, die Berliner Philharmoniker und die Leitung der Wiener Staatsoper.
Zum nationalsozialistischen Deutschland hatte Richard Strauss ein zwiegespaltenes Verhältnis: Einerseits anbiedernd (er schrieb beispielsweise die Hymne für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin und war 1933–1935 sogar Präsident der Reichsmusikkammer), war der Komponist andererseits ein Gegner der nationalsozialistischen Ideologie und geriet mehrfach mit wichtigen Nazi-Größen in Konflikt, weil er jüdische Musiker und Librettisten zu schützen versuchte. Ständig trieb ihn auch die Sorge um seine Familie um, da seine Schwiegertochter jüdischer Abstammung war.
Nach Kriegsende flüchtete Strauss in die Schweiz, weil er Verfolgung im Rahmen der „Entnazifizierung“ Deutschlands befürchtete. Briefe, die er in dieser Zeit schrieb, lassen erahnen, mit welcher Verzweiflung der über 80-Jährige auf die Trümmer seiner Heimat und seines Lebenswerks zurückgeblickt haben muss. In den letzten Jahren bis zu seinem Tod 1949 schrieb Richard Strauss mehrere Werke, die ein Zeugnis dieser Trauer bilden: unter anderem die „Vier letzten Lieder“, die erst posthum zu einem Zyklus kombiniert und veröffentlicht wurden und heute zu den bekanntesten Strauss-Liedern zählen.
Die „Vier letzten Lieder“ für Sopran und Orchester vertonen Gedichte von Hermann Hesse (Frühling, September, Beim Schlafengehen) und Joseph von Eichendorff (Im Abendrot). Sie entstanden 1948, waren allerdings vom Komponisten nicht als zusammengehöriges Werk vorgesehen und wurden erst 1950 von seinem Freund und Verleger Ernst Roth veröffentlicht, der der Liedersammlung ihren Namen gab.

„Nun liegst du erschlossen / In Gleiß und Zier / von Licht übergossen / wie ein Wunder vor mir.“
„Frühling“ ist das dynamischste Lied. Die farbenreiche und klangvolle Orchestrierung, die Strauss‘ Werke seit jeher auszeichnete, kommt hier besonders zur Geltung, während sie in den weiteren Liedern zunehmend düsteren und gedämpfteren Klängen weicht.

„Der Sommer schauert / still seinem Ende entgegen.“
Ist der Frühling noch froh gestimmt und eine Zeit des Erwachens,
klingt im Lied „September“ nun das zentrale Thema des Liedzyklus, Strauss‘ Auseinandersetzung mit Tod und Sterben an, etwa, wenn es am Schluss des Gedichts heißt: „Langsam tut er [der Sommer] die müdgeword’nen Augen zu.“

„Alle meine Sinne nun / wollen sich in Schlummer senken.“
Der ruhige, besinnliche Klang vom Ende des Septembers findet seine Fortsetzung in diesem Lied mit dem Titel „Beim Schlafengehen“; dunkle Streicherfarben lassen schon zu Beginn klar werden, dass hier mehr als das Schlafengehen eines gewöhnlichen Abends vertont wird. Im Mittelteil schwebt eine melancholische Solovioline über Horntönen, bevor sich die Singstimme nochmals erhebt und die „unbewachte Seele“ in die Nacht entschweben lässt.

„Wie sind wir wandermüde– / Ist dies etwa der Tod?“
Von tiefer Ruhe und Harmonie durchdrungen ist das letzte Lied „Im Abendrot“. Zwei vom Sopran besungene Lerchen erheben sich über den dichten Klangteppich, bevor zu den letzten Worten „ist dies etwa der Tod?“ noch einmal das Auferstehungsthema aus der 60 Jahre zuvor komponierten symphonischen Dichtung „Tod und Verklärung“ des Komponisten erklingt. Strauss soll 1949 auf dem Totenbett zu seiner Schwiegertochter gesagt haben: „Es ist eine komische Sache, Sterben ist genau so, wie ich es in Tod und Verklärung komponiert habe.“
Das Lied verklingt mit lang gehaltenen Akkorden, über denen die
Lerchen leise ihr Lied trällern.

Moritz Disselkamp


Ludwig van Beethoven – Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Ludwig van Beethovens 7. Symphonie in A-Dur wurde 1812 vom Komponisten selbst in Wien im Rahmen eines Benefizkonzerts zugunsten der antinapoleonischen Kämpfer eineinhalb Monate nach der Völkerschlacht bei Leipzig uraufgeführt. Die Symphonie ist somit nach der 3. eine weitere Auseinandersetzung Beethovens mit Napoleon, diesmal jedoch im Kontext der Befreiung aus der Besatzung. Vor allem der 1. und 2. Satz sind stark rhythmisch geprägt und in ihrer Art einzigartig. Der Rhythmus des 1. Satzes ging als „Amsterdam“-Strich in die Etüden-Bücher für Orchestermusiker ein. Das Thema des 2. Satzes kommt gänzlich ohne Harmonik aus und wird trotzdem sofort erkannt. Beethovens fortgeschrittene Taubheit könnte eine Erklärung für die rhythmische Betonung der Symphonie sein. Als Vorbereitung zum Hauptthema des ersten Satzes beginnt sich in der 62-taktigen Einleitung das charakteristische Rhythmusmotiv zu manifestieren. Das Hauptaugenmerk liegt hier vorerst auf der harmonischen Ausarbeitung der Dreiklänge, die als Akkorde geschlossen und gebrochen sowie als Skalen auftreten. Diese Skalen bilden einen ständigen Dialog zwischen den einzelnen Stimmgruppen. Erst nach und nach entwickelt sich die rhythmische Komponente: Beethoven lässt den Zuhörer gewissermaßen am Entstehungsprozess der Symphonie teilhaben. In den ersten 4 Takten des nachfolgenden Vivaces ist der Rhythmus in seiner endgültigen Form zu hören und zieht sich bis zum Ende des ersten Satzes durch. Der zweite Satz gehört zu Recht zu den bekanntesten Werken Beethovens. Der pathetische Trauermarsch in a-Moll beginnt und endet mit einem zur damaligen Zeit höchst ungewöhnlichen Quart-Sext-Akkord. Lange Zeit bleibt der Rhythmus unverändert, ohne jedoch den Eindruck von Eintönigkeit zu vermitteln, bevor das Allegretto für kurze Zeit in eine erleichterte Dur-Passage wechselt. Gegen Ende erklingt erneut das Anfangsthema, jedoch reduziert auf den Rhythmus, aufgeteilt auf die verschiedenen Bläser. Der dritte Satz bildet mit seinem lebhaften Charakter einen starken Kontrast zum ruhigen zweiten Satz. Das Thema des Scherzos wird in schnellem Tempo vorgetragen, wirbelt geradezu dahin und führt in eine Sphäre von Freude und Übermut. Schwungvoll ansteigend, mündet das Thema in ein absteigendes Staccato. Ab Takt 150 beginnt ein ruhiges, kontrastierendes Trio, das wieder die erwartete Freude auf das Finale zeigt. Nach einem kurzen erneuten Anspielen des Scherzos wird das Thema von 5 Tutti-Schlägen jäh durchbrochen.
Der letzte Satz ist schließlich ein mitreißendes, sich von allen Fesseln losreißendes Finale. Carl Maria von Weber soll Beethoven aufgrund dieses Satzes „reif für das Irrenhaus“ erkl rt haben. iel ist bereits über die musikalischen uellen des Finales geschrieben worden: ob nun das irische Volkslied Nora Creina, „ s rd s“-Rhythmen oder der Revolutionsmarsch „Le Triomphe de la publique“ von Francois Jose h ossec als orlage dienten, l sst sich nicht zweifelsfrei belegen, doch der Revolutionsmarsch scheint im Hintergrund der antinapoleonischen Veranstaltung durchaus nicht abwegig. Der rasante Aufbau immer neuer von Rhythmus durchzogener Klangmassen, heftig skandiert und angestachelt von der Pauke, das Ausreizen der Dynamik bis zum dreifachen Forte war so in Beethovens Sinfonien noch nicht zu finden. Während die Geigen gegen Schluss eine verkürzte Variation des Themas spielen, treiben die tiefen Streicher mit einem ständig wachsendem Grollen die Freude des Satzes ihrer Spitze entgegen. Die Uraufführung der 7. Symphonie gehört zu Beethovens größten Erfolgen. Die Reaktionen auf dieses Meisterwerk waren durchweg positiv, der 2. Satz wurde bei der Aufführung da capo verlangt und Beethoven etablierte sich endgültig als größter lebender Komponist. Johannes

Johannes Köppl

Solist: Hanna Zumsande

Hanna Zumsande

Hanna Zumsande Die aus Osnabrück stammende Sopranistin Hanna Zumsande erhielt seit ihrer Kindheit Violin- und Klavierunterricht. Neben ihrem Gesangsstudium bei Prof. Jörn Dopfer an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg schloss sie das Studium der Schulmusik mit künstlerischem Hauptfach Violine mit dem ersten Staatsexamen in den Fächern Musik und Latein ab. 2013 beendete sie mit der Partie der Contessa in Mozarts „Le Nozze di Figaro” erfolgreich das Aufbaustudium Master Oper in der Klasse von Prof. Carolyn James. Eine enge Zusammenarbeit verbindet sie zudem mit Ulla Groenewold. Unterricht bei Prof. Burkhard Kehring sowie Meisterkurse bei Margreet Honig und im Bereich Lied bei Rudolf Jansen, Ulrich Eisenlohr, Axel Bauni und Anne Le Bozec ergänzen ihre Ausbildung. Als gefragte Konzertsolistin arbeitet Hanna Zumsande mit Dirigenten wie Peter Neumann, Hermann Max, Wolfgang Katschner, Marcus Creed, Jörg Straube und Christoph Schoener und mit Orchestern wie der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Zürcher Kammerorchester, Musica Alta Ripa, L`arpa festante, L`Arco Hannover, Elbipolis Barockorchester Hamburg, Concerto Farinelli, Lautten Compagney Berlin und den Hamburger Symphonikern zusammen. Konzertengagements führten sie bereits zu den Händel-Festspielen in Göttingen und Halle, zum Bachfest Leipzig und in namhafte Konzertsäle wie das Concertgebouw Amsterdam, die Tonhalle Zürich, die Hamburger Laeiszhalle und die Hamburger St. Michaelis-Kirche. Hanna Zumsandes breitgefächertes Konzertrepertoire spannt einen weiten Bogen von Werken des Frühbarocks über Bachs, Händels, Haydns und Mendelssohns große Oratorien bis hin zur Moderne. Zahlreiche CD-Produktionen und Rundfunk-Aufnahmen dokumentieren ihr künstlerisches Schaffen. 2014 stehen Debüts beim Schleswig-Holstein Musik Festival unter Thomas Hengelbrock sowie in der Essener Philharmonie an. Neben ihrer Konzerttätigkeit erarbeitet sich Hanna Zumsande ein anspruchsvolles Opernrepertoire. Nach zahlreichen Rollen in Opernproduktionen der Hochschule für Musik und Theater Hamburg gastierte sie am Theater Kiel, am Landestheater Schleswig-Holstein und bei den Neuen Eutiner Festspielen. Hanna Zumsande ist Preisträgerin mehrerer Wettbewerbe: 2009 gewann sie den Wettbewerb der Händel-Festspiele Göttingen und Halle, 2010 den 1. Preis beim Mozart-Wettbewerb der Absalom-Stiftung Hamburg und den 1. Preis des Elise-Meyer-Wettbewerbs; beim Maritim Musikpreis 2011 wurde ihr der Publikumspreis verliehen. Au- ßerdem war sie Stipendiatin der Oscar und Vera Ritter-Stiftung und der Hermann und Milena Ebel-Stiftung.

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